Toleranz, Solidarität, Achtsamkeit?

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Walter Bieri - Editoral zur CampingRevue 4 / 2021

Die Pandemie treibt seltsame Blüten. Durch die Grenzschliessung boomt das Campingwesen in der Schweiz weiterhin – die Campingplätze sind angeblich überfüllt. Die alten Hasen schimpfen über die Neucamper und vergessen dabei, dass sie auch einmal Anfänger waren. Die Saisoncamper ärgern sich über die dauernd wechselnden «Nomaden» (was oft auch andersherum zu beobachten ist). Um sicher einen Platz zu ergattern, bucht man gleich auf drei oder vier Plätzen, um dann auf den schönsten zu fahren. Natürlich ohne sich auf den anderen abzumelden.

Bei der ersten Welle standen durch die Schliessung der Campingplätze trotz Verboten Hunderte von Wohnmobilen an Waldrändern und Gewässern. Unter Zugzwang entstanden unzählige Stellplätze, welche nun teilweise mässig besucht werden. Zuweilen wird vergessen, dass Stellplätze eben Stellplätze und keine Campingplätze sind. Und schon kommen neue Begehrlichkeiten. Es werden Entsorgungsstationen verlangt, was enorme Investitionen zur Folge hat. 

Auch unsere Landwirte haben erkannt, dass man hier Wertschöpfung durch Stellplätze generieren kann. Zeitgleich wird aber gejammert über den Aufwand, der durch die benötigten Bewilligungsverfahren ausgelöst wird.

Ich bin ja mal gespannt, wie sich die Angelegenheit entwickelt, wenn die Pandemie abgeklungen ist und Reisen ins Ausland wieder problemlos möglich wird. Vor allem aber wünsche ich mir mehr Toleranz und Verständnis untereinander und dass der Egoismus nicht noch mehr ins Kraut schiesst.