Neue Verkehrsgesetze 2021

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Rolf Järmann - 100km/h für Wohnwagen, Rett­ungs­gasse und Reiss­verschluss

Jedes Jahr gibt es auf den 1.  Januar jeweils einige Anpassungen im Strassenverkehrsgesetz. Im Jahr 2021 sind wir Camper davon auch betroffen.

WOHNWAGEN DÜRFEN NEU MIT 100 KM/H AUF AUTOBAHNEN UNTERWEGS SEIN

Art. 5 Abs. 2 Bst. c 2

«Auf Autobahnen und Autostrassen beträgt die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h für:

c.  leichte Motorwagen mit Anhänger, sofern das Gesamtgewicht des Anhängers 3,5 t nicht übersteigt.»

Ob ein Wohnwagen aber überhaupt für 100 km/h zugelassen ist, muss der Fahrzeugführer abklären und ist dafür verantwortlich. Das heisst konkret, jeder muss selber abklären, ob sein Anhänger überhaupt für diese Geschwindigkeit gebaut wurde. Am einfachsten findet man dies mit dem Fahrzeugausweis und der Typengenehmigung heraus. Im Feld 24 des Fahrzeugausweises ist die Typengenehmigung zu finden. Bei neueren Wohnwagen wird beim Kauf das COC-Dokument (Certificate of Confirmity) ausgeliefert. In diesem steht die Information über die 100-km/h-Zulassung. Hat man dieses COC-Dokument nicht, muss man über die Typenbescheinigung gehen, die der Wohnmobilhalter nicht in seinen Dokumenten hat. Viele Caravanhändler bieten gegen eine kleine Gebühr diese Abklärung an. Eventuell geben auch die Strassenverkehrsämter Auskunft, wenn per E-Mail der Code im Feld 24 des Fahrzeugausweises mitgesendet wird. Der Wohnwagen muss übrigens nicht extra dafür vorgeführt werden.

Wenn der Wohnwagen für Deutschland schon mit einem 100-Signet legal markiert ist, darf man in der Schweiz auch 100 fahren, zudem muss man dieses 100er-Signet hier auch nicht mehr abkleben.

Prüfen muss man unbedingt, mit welchem Geschwindigkeitsindex die Reifen des Anhängers markiert sind. Reifen mit dem Geschwindigkeitsindex «F» und «G» sind nicht zugelassen.

ENDLICH WIRD DIE RETTUNGSGASSE PFLICHT

Art. 36 Abs. 7

«Fahren auf Autobahnen und Autostrassen mit mindestens zwei Fahrstreifen in eine Richtung die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit oder befinden sie sich im Stillstand, so müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei-, Sanitäts-, Feuerwehr-, Zoll- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen eine freie Gasse bilden.»

Das Astra schreibt wörtlich: Nach dieser Regelung werden Fahrzeugführer nicht bereits bei stockendem Verkehr, sondern erst dann, wenn mit Schrittgeschwindigkeit gefahren wird oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, verpflichtet, eine freie Gasse zu bilden. Die Pflicht beschränkt sich auf Autobahnen und Autostrassen. Die Gasse ist stets zwischen dem äussersten linken Fahrstreifen und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen zu bilden.

AUCH DER REISSVERSCHLUSS WIRD EINGEFÜHRT

Art. 8 Abs. 5

«Ist auf Strassen mit mehreren Fahrstreifen in eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, so ist unmittelbar vor Beginn der Verengung den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen abwechslungsweise der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen zu ermöglichen.»

Die Schweiz kannte bisher noch keine Regelung zum Reissverschlussverkehr (darum klappte das hier ja auch nie). Aufgrund der starken Verkehrszunahme macht es aber durchaus Sinn, eine solche Regelung in die Verordnung einzufügen. Dies trägt zur besseren Auslastung der Infrastruktur und damit zur Verbesserung des Verkehrsflusses bei. Vorgesehen wird eine Pflicht, den vom Abbau des Fahrstreifens betroffenen Fahrzeugen unmittelbar vor dem Beginn der Verengung abwechslungsweise den Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen zu ermöglichen. Bei Baustellen auf Autobahnen wird 150 Meter vor dem Abbau des Fahrstreifens ein sogenannter Andreasstreifen angebracht. Auf der Höhe dieses Andreasstreifens beginnt die Verengung, weshalb dort bzw. unmittelbar vor diesem Andreasstreifen der Fahrstreifenwechsel erfolgen sollte.

Die bis anhin generell geltende Pflicht, wonach Fahrzeugführer frühzeitig einspuren müssen, wird auf die Fälle des Abbiegens eingeschränkt und findet bei blossen Fahrstreifenwechseln keine Anwendung mehr. Vielmehr soll diesfalls bis zur Fahrbahnverengung oder dem allfälligen Hindernis gefahren und dort der Fahrstreifen nach dem Reissverschluss-Prinzip gewechselt werden.

RECHTS VORBEIFAHREN WIRD PRÄZISIERT

Mit der neuen Bestimmung sollen die Möglichkeiten des Rechtsvorbeifahrens erweitert und präzisiert werden. Das Erfordernis des Kolonnenverkehrs soll deshalb nur noch auf dem linken Streifen vorliegen müssen. Wenn also auf dem linken Streifen Kolonnenverkehr ist, darf auf der rechten Spur vorbeigefahren werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Vorbeifahren mit der gebotenen Vorsicht zu erfolgen hat.

Verboten bleiben alle anderen Fälle des Rechtsvorbeifahrens. Ausgeschlossen ist insbesondere das Ausscheren aus der Kolonne, die Vorbeifahrt an einigen Fahrzeugen und das anschliessende Wiedereinbiegen in die Kolonne auf dem linken Fahrstreifen.