Wildzelten, Tipps und Tricks

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Martina Gees colorfish.ch -

Irgendwo in den Bergen unter freiem Himmel zu übernachten, ist eine schöne Sache. Doch die Natur ist nicht einfach ein Zeltplatz, es gibt dabei einige wichtige Dinge zu beachten.

Eigentlich wollte ich diesen Artikel schon im letzten Sommer fertig schreiben, aber irgendwie wurde nichts daraus. Doch ein neuer Sommer ist angebrochen und das Thema Wildzelten ist immer noch hochaktuell.

Auf allen Social-Media-Kanälen machen Outdoor-Shops und viele andere momentan Werbung fürs Wildzelten und natürlich für die Produkte dazu, die dort erworben werden können. Manche listen noch ein paar Regeln und Verhaltensweisen auf, aber oft fehlt doch ziemlich viel. Es geht ja schlussendlich ums Verkaufen, nicht ums ganz korrekte Verhalten. Auch der Schweizer Alpen-Club (SAC) widmet sich dem Thema mit seiner Sensibilisierungskampagne #nogeotag #leavenotrace #consciouscamping #buylocal. Diese Kampagne richtet sich vor allem an Fahrzeug-Camper, gilt aber selbstverständlich auch für Zelt-Camper. 

Ich bewege mich seit vielen Jahren mit dem Fahrrad oder zu Fuss in der Natur und ich zelte liebend gerne irgendwo da draussen. Ich mache das hoffentlich mit dem nötigen gesunden Menschenverstand und selbstverständlich ist es jedes Mal mein Ziel, die Natur so zu verlassen, wie ich sie vorgefunden habe.

Im letzten Sommer hat das Wildzelten in der Schweiz coronabedingt einen riesigen Boom erlebt. Und wie ich doch mehrmals feststellen musste, fehlt auch dem Schweizer oft ein gewisses Mass an gesundem Menschenverstand und der nötige Respekt gegenüber der Natur und dem Besitz anderer. Von vielen Bauern, Alpwirten oder Älplern habe ich immer wieder dieselben Dinge gehört: Leute schlagen ihr Zeltlager inmitten einer Viehweide oder auf Privatland auf, machen ein Feuer und lassen dann noch ihre Bierdosen und den Abfall liegen. So funktioniert das Wildzelten natürlich nicht.

Darum greife ich das Thema wieder auf und gehe auf einige Punkte etwas vertieft ein. Dazu kommen eigene Erfahrungen und Dinge, die ich selbst beobachtet habe. 

Während in Skandinavien mit dem sogenannten Jedermannsrecht das Zelten, Campieren, Biwakieren in freier Natur überall erlaubt ist, sieht die Rechtslage in den Alpen etwas kniffliger aus. Generell gilt in jedem Alpenland ein Campingverbot im Wald, ausser es liegt eine Zustimmung des Grundstückeigentümers vor. In der Schweiz bewegt man sich in einer Grauzone. Die pauschale Regelung besagt zwar, dass man sich überall mit dem Grundstückbesitzer abstimmen muss, doch oberhalb der Waldgrenze wird das Übernachten im Freien toleriert. Je nach Gebiet liegt die Waldgrenze in der Schweiz zwischen 1600 und 2300 m ü. M. Man merke sich, eine Fläche ohne Bäume heisst nicht automatisch, dass man die Waldgrenze erreicht hat. 

In Österreich ist die Gesetzeslage von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Beim Alpenverein findest du eine Zusammenfassung der rechtlichen Rahmenbedingungen für das Übernachten im Gebirge.

Die rechtliche Lage in der Schweiz ist nicht einheitlich. Grundsätzlich sind gemäss Zivilgesetzbuch Wald und Weide jedermann zugänglich. Je nach Kanton oder Gemeinde können jedoch Einschränkungen oder Verbote gelten.

Das Campieren (Übernachten im Zelt ausserhalb von offiziellen Campingplätzen) und das Biwakieren (Übernachten unter freiem Himmel ohne Zelt) kann in der Natur Störungen verursachen. Zudem ist freies Campieren in gewissen Schutzgebieten ausdrücklich verboten oder aufgrund von Betretungsverboten nicht möglich. Dazu gehören der Schweizerische Nationalpark, die eidgenössischen Jagdbanngebiete, viele Naturschutzgebiete und die Wildruhezonen (während der Schutzzeit).

Ansonsten ist eine einzelne Übernachtung einer kleinen Anzahl Personen im Gebirge oberhalb der Waldgrenze aber meist unproblematisch – wenn sie rücksichtsvoll erfolgt. Ein Notbiwak ist grundsätzlich immer erlaubt. Bei mehreren Übernachtungen muss das Zelt tagsüber abgebaut werden. 

Folgend ein paar Informationen vom SAC, teilweise ergänzt mit eigenen Inputs. Diese Dinge gibt es beim Wildzelten zu beachten:

RÜCKSICHTSVOLLES VERHALTEN

Wahl des Biwakplatzes
Kontrolliere vor Ort, ob dein geplanter Standort wirklich keinen sensiblen Lebensraum beeinträchtigt oder erhöhten Naturgefahren (Blitz, Steinschlag, Lawinen, Hochwasser) ausgesetzt ist. Auen, Moore 

und Feuchtgebiete, Sandbänke und Kiesinseln sind ungeeignete Standorte, weil dort oft seltene Pflanzen und Tiere leben. Ebenfalls zu meiden sind Weideflächen. Oft sind die Weideflächen auf Alpen aber ziemlich gross, da weiss man nicht so genau, wo sie beginnen und aufhören. Dort suche ich meinen Platz nach der Frische der Kuhfladen. 

Sprich, ich stelle mein Zelt nur da auf, wo die Kuhfladen schon älter sind. In der Nähe von Alp- oder Berghütten bittet man den Bauern oder das Hüttenteam um Erlaubnis. In den Hütten darf man gerne etwas konsumieren und den Hüttenwarten etwas für die Benutzung der Sänitäranlagen bezahlen.

Vermeide Störungen
Vermeide grössere Aktivitäten und Lärm, vor allem in der Dämmerung, weil zu dieser Zeit viele Wildtiere aktiv sind. Beachte auch, dass besonders im Frühsommer, während der Brutzeit bodenbrütender Vögel wie Steinrötel, Steinhuhn oder Schneehuhn, im Umfeld von Felsblöcken und strukturreichen Zwergstrauch- und Rasenflächen ein gewisses Störungspotenzial vorhanden ist.

Essen und Abwasch
Lass keine Esswaren oder Essensreste frei rumliegen. Das kann Tiere anlocken. Erledige den Abwasch mit biologisch leicht abbaubaren Spülmitteln, ohne dass das Abwasser direkt ins Gewässer gelangt. Ich benutze zum Abwasch einen gebrauchten Teebeutel. 

Entfernt den Schmutz zuverlässig, ist ökologisch und selbstverständlich nehme ich den Beutel im Müll wieder mit ins Tal. Was für den Abwasch zählt, gilt auch für die Körperwäsche. Ein Waschlappen, ein bisschen Wasser und evtl. eine biologisch abbaubare Seife reichen dafür.

Feuer machen
Benutze bestehende Feuerstellen – von denen gibt es mehr als genug –, denn jede neue Feuerstelle zerstört die Vegetation und den Boden für Jahre. Vermeide Feuerschäden und beachte unbedingt die Waldbrandgefahr.

Wenn du mal musst
Wähle für deine Notdurft einen Platz abseits von Gewässern, benütze normales Toilettenpapier (Papiertaschentücher und Feuchttücher verrotten viel langsamer) und vergrabe die Exkremente oder decke sie zu. Aufgrund von Waldbrandgefahr sollte das Toilettenpapier nicht verbrannt werden. Idealerweise nimmst du es mit dem anderen Abfall mit. Ein paar Hundekackbeutel im Gepäck sind dafür sehr hilfreich. 

Dies gilt nicht nur fürs Zelten, sondern auch fürs Wandern. Immer wieder sind mir in den letzten Jahren menschliche Kackhaufen inklusive Papier auf den Wanderwegen begegnet. Für solches Verhalten habe ich dann wirklich kein Verständnis mehr. 

Auch beim Wandern muss man nicht gleich auf den Weg kacken, ein Plätzchen neben dem Weg sollte sich früher oder später auch da finden. Und das Papier einfach mitnehmen, bevor es den nächsten Wanderern um die Beine flattert. So schwer kann das nicht sein. 

Gilt übrigens auch für mitgeführte Hunde. Auch die müssen nicht gleich auf den Weg scheissen, und auch wenn man die Haufen einsammelt, Beutel nicht einfach liegen lassen. Der wird von niemandem eingesammelt.

Hinterlasse nichts ausser deinen Fussspuren
Lass keine Abfälle zurück, dazu zählen auch Essensreste. Verlasse den Biwakplatz stets so, als ob nie jemand da gewesen wäre. Und wenn du irgendwo Müll von anderen entdeckst, nimm auch den mit ins Tal. Die Tiere und die Natur danken es dir. Pflanzen hingegen solltest du da lassen, wo sie hingehören.